Erinnerung verpflichtet: die Gedenkstättenfahrten nach Buchenwald
Liebe Leserinnen und Leser des Newsletters!
Wie entwickelt sich eine demokratische Gesellschaft zu einem menschenverachtenden Unrechtsstaat, an dessen Ende die Masseninternierung und Massenvernichtung der eigenen Bürgerinnen und Bürger steht, die sich nur durch ihre Religionszugehörigkeit, ihre sexuelle Identität, ihre schwere Krankheit oder Behinderung sowie durch die Art der Lebensführung von der „Volksgemeinschaft“ unterscheiden? Dieser Frage kann man besonders gut nachspüren, indem man nach Weimar fährt, der Stadt von Goethe und Schiller und weiteren bekannten Persönlichkeiten, eine Kulturstadt im besten Sinne des Wortes. Auf einer Anhöhe hinter der Stadt Weimar liegt jedoch das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald, ein Ort der Ausgrenzung, der Erniedrigung, der Entmenschlichung. Größer können die Gegensätze auf engem Raum kaum sein.
Schon seit vielen Jahren besuchen Jahrgangsstufen Q1 gruppenweise Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald, um unseren Schülerinnen und Schülern durch einen persönlichen Besuch der Gedenkstätte einen unmittelbaren Eindruck zu vermitteln, wozu der Glaube an eine „Herrenrasse“ die Menschen damals geführt hat. Ein solcher Besuch ist heutzutage umso wichtiger, weil ein völkischer Geist die Mitglieder und Sympathisanten bestimmter Parteien wieder erfasst hat, weil Rücksichtslosigkeit, Ausgrenzung und die Überzeugung, dass eine Menschengruppe der anderen überlegen ist, wieder Fuß fassen in den Köpfen vieler Menschen, leider auch in den Köpfen vieler Jugendlicher und junger Erwachsener. Dies sind Gedanken, die die Würde des Menschen und damit die Menschenrechte infrage stellen.
Wir fühlen uns dem „Nie wieder!“ unseres Grundgesetzes verpflichtet, indem wir uns mit unseren Schülerinnen und Schülern auf den Weg machen, um aus der Unmenschlichkeit der Vergangenheit Lehren für ein menschliches Miteinander in der Gegenwart zu ziehen.
Ich danke an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen, die sich Jahr für Jahr auf den Weg machen, um diese nicht ganz leichte Erfahrung mit ihren Schülerinnen und Schülern zu teilen. Es ist ein sehr wichtiger und bedeutsamer Weg. Mein besonderer Dank gilt Frau Held und Herrn Bein, die die organisatorischen Vorarbeiten für die Besuche in Weimar/Buchenwald leisten.
Grüße vom Stoppenberg
Rüdiger Göbel, Schulleiter