40 Jahre Handwerk Am Stoppenberg

Die Geschichte des Handwerkunterrichts

„Werkstattlehrer? Ach so, an einer Berufschule !" So oder ähnlich klingt die Aussage, wenn die Kollegin etwas genauer nach ihrer Tätigkeit gefragt wird.

Eben nicht an einer Berufsschule, wo die Werkstätten häufig vermutet werden (was ja auch der Realität entspricht), sondern an einem Gymnasium; und da ist das Erstaunen doch in den meisten Fällen sehr groß.

Eine staatliche Schule ist es dennoch nicht. Es verlangt schon ein besonderes Konzept, den Handwerksunterricht an einem Gymnasium zu etablieren und „der Stoppenberg" ist nun mal was Besonderes.

40 Jahre Gymnasium bedeutet auch 40 Jahre Handwerk am Stoppenberg.

Seit fast 10 Jahren nun komplett in der zweiten Lehrergeneration.

Eine ganzheitliche Schulbildung sollte es sein, die vor 40 Jahren ihren Lauf durch die Jahrzehnte nahm. Und der Handwerksbereich gehört von Beginn an dazu. Auch wenn die Werkstätten nicht sofort 1966 bezogen werden konnten, so fand der Unterricht in provisorischen Räumen bzw. in der Ausbildungswerkstatt der ehemaligen Zeche Zollverein statt.

Nach anfänglichen „Experimenten" mit unterschiedlichen Gewerken, zu denen z.B. eine Gärtnerei und eine Töpferwerkstatt gehörten, kristallisierten sich im Laufe der Jahre die Bereiche Holz, Metall und Textil zu den „Dauerbrennern" des Gymnasiums am Stoppenberg.

Handwerk an einem Gymnasium im Bereich der Sekundarstufe 1 (Mittelstufe), ja, macht das denn einen Sinn? Nun, Facharbeiter auszubilden ist sicher nicht das Ziel unserer Schule, sondern es ist und bleibt in erster Linie die allgemeine Hochschulreife, das Abitur, auf das unsere SchülerInnen vorbereitet werden.

Aber der Weg zu diesem Ziel wird seit den Gründungstagen unserer Schule ganzheitlich beschritten. Ganzheitlich im Sinne der Aussage: „Mit Kopf, Herz und Hand" (Johannes Heinrich Pestalozzi, * 1746, galt über Jahrzehnte als Begründer der Pädagogik). Und dieser ganzheitliche Anspruch wird insbesondere auch in den Werkstätten unserer Schule sichtbar. Nicht Facharbeiter wollen wir ausbilden, sondern ein Lernen ermöglichen, das mit den Händen geschieht und mit den Händen greifbar ist. Aber nicht ausschließlich mit den Händen. Erfolge sind nur möglich, wenn auch „Kopf und Herz" mit dabei sind. Und diese Erfolge wiederum sind wichtig für jede einzelne Schülerin und jeden Schüler. Sie bieten Motivation für andere Lernbereiche, sie steigern das Selbstbewußtsein und so ganz „nebenbei" vermitteln sich auch Fachpraxis, die in einem Gesamtzeitraum des Handwerkunterrichtes von 3 Jahren (Klasse 8 bis 10) an die ca. 280 Unterrichtstunden heranreichen.

Zum Ende des 7. Schuljahres entscheiden sich die SchülerInnen für einen der drei Handwerksbereiche Holz, Metall oder Textil und verbringen dort für drei Jahre ihren Unterricht. Um jedoch auch einen Überblick über die Tätigkeiten, Werkstoffe und Werkstätten der jeweils anderen beiden Gewerke zu bekommen, findet im zweiten Halbjahr der Klasse 9 die so genannte „Werkstatt -Tour" statt. Dabei touren die Handwerksgruppen für je 3 Wochen durch die unbekannten Werkstätten und fertigen dabei jeweils ein typisches Projekt.

Wenn auch der Handwerksunterricht nicht eine Berufsausbildung vorwegnehmen will und kann, so soll er doch zumindest den SchülerInnen wichtige Elemente des späteren Berufslebens näher bringen und vermitteln. Speziell unter der Prämisse, dass das Gymnasium zum Abitur führt und erst danach eine Ausbildung und/ oder ein Studium erfolgt, ist es für die SchülerInnen nicht nur im Handwerk sondern in den anderen Fächern genau so wichtig zu lernen „selbständig" zu arbeiten.

Wenn man nach dem wichtigsten Lernziel des Handwerkunterrichts gefragt wird, ist dies das „Selbständige Lernen".

In der Verbindung mit detaillierten Arbeitsblättern, die genaue Arbeitsabläufe beschreiben, ergänzt durch technische Zeichnungen (in Textil: Schnittmuster) ist es unseren SchülerInnen möglich, weitestgehend selbständig zum Ziel zu kommen.

Die Situation überschaubarer Lerngruppen in den Werkstätten (max. 12 SchülerInnen) fördert diese Selbständigkeit, die, bei Bedarf, auch zur Teamarbeit ausgebaut werden kann. Der Werkstattlehrer unterrichtet nicht frontal, sondern agiert im Hintergrund, um individuell Hilfestellung leisten zu können, kurzfristig Werkstoffe bereitstellen zu können und bei Bedarf handwerkliche Arbeitsabläufe zu demonstrieren.

Auch wenn der Schwerpunkt im Handwerk eher praktisch zu sehen ist, so gehört es auch zur Entwicklung der Selbständigkeit, das praktisch Erarbeitete theoretisch zu erfassen und zu verarbeiten. Dazu gibt es im Handwerksunterricht, wie in jeder Ausbildung, das Werkstatt-Tagesberichtsheft, indem die SchülerInnen täglich stichwortartig ihre Tätigkeiten zu schildern haben. Dieses „WTB" genannte Tagebuch des Handwerkunterrichtes bietet die Möglichkeit sich in seinen Arbeitsabläufen zu orientieren, stichwortartig zu formulieren und die entsprechenden Fachbegriffe besser zu lernen. Darüber hinaus ist es ein einzigartiges Dokument (eine entsprechende „Pflege" vorrausgesetzt), mit dem man später, ergänzt durch die anderen Zeugnisse diese Unterrichtsveranstaltung des Schulträgers belegen und sich vielleicht von seinen Mitbewerbern abgrenzen kann.

Selbständiges Arbeiten erfordert auch Rücksichtnahme auf persönliche Arbeitsgeschwindigkeit. Jeder hat seinen eigenen Rhythmus und entwickelt seine Fähigkeiten im Laufe der drei Jahre. Mit zunehmenden Kenntnissen steigern sich die Auswahlmöglichkeiten der einzelnen Projekte.

Die Arbeiten in den Werkstätten werden Projekte genannt. Es gibt keine Übungsstücke. Jede Arbeit die begonnen wird, ist ein Projekt mit den entsprechenden Arbeitsblättern, die zum gewünschten Ziel führen.

Ziel des Unterrichts zum Ende der Mittelstufe sind die „Abschlußprojekte" in den 10er Klassen, die vom ersten Entwurf (Bleistiftskizze) über die konkrete Zeichnung im Maßstab 1:1 , der Materialerfassung bis hin zur kompletten Fertigung von den SchülerInnen hergestellt werden.

Das Handwerk ist ein Teil der Geschichte des Gymnasiums Am Stoppenberg und es wird weiterhin einen nicht unwesentlichen Anteil an der Bildung unserer SchülerInnen haben.

Mit einem Blick in die Zukunft darf darüber nachgedacht werden, wie wir jede Schülerin und jeden Schüler noch praxisnaher auf eine, wenn auch erst spätere berufliche Zukunft, vorbereiten können. Eine Möglichkeit dazu besteht darin, eine sogenannte Schülerfirma zu initiieren, bei der wirtschaftliche Aspekte mit beruflicher Praxis verbunden werden. Die Ansätze dazu sind in Vorbereitung.

Andreas Gemlau, Werkstattlehrer

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